Franz-Jürgens-Berufskolleg

SIEGEL Berufswahl- und ausbildungsfördernde Schule - Franz-Jürgens-Berufskolleg, Düsseldorf

Laudatio für das FJBK

anlässlich der Re-Zertifizierung als berufswahl- und ausbildungsfördernde Schule (SIEGEL):

Siegel Logo

Manchmal kann schon ein Veranstaltungsort Programm sein. So ist es uns – der Siegel-Jury – ergangenen, als wir das Franz-Jürgens-Berufskolleg in Bilk besuchten. Unser Audit fand nämlich nicht in einem Klassenraum, nicht in der Aula und auch nicht im Lehrerzimmer statt, sondern stilecht in der Kfz-Werkstatt.

Diese Ortswahl war ein Fingerzeig. Und das in zweierlei Hinsicht. Erstens machte man uns von Beginn an klar, dass der fachpraktische Unterricht hier eine ganz wichtige Rolle spielt. Und zweitens zeigte man uns, wie stolz man am Franz-Jürgens-Berufskolleg auf den engen Bezug zur Wirtschafts- und Arbeitswelt ist.

Die Verpackung stimmte also. Aber stimmt auch der Inhalt? Ist das Franz-Jürgens Berufskolleg wirklich eine berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule? Das festzustellen, war an diesem Morgen im Oktober die Aufgabe der Jury. Den besten Eindruck davon, was wir in den folgenden Stunden an dieser Schule erleben durften, geben einige O-Töne von denen, die es wissen müssen. Den aktuellen und ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Schule.

Hier ein paar beispielhafte Zitate:

  • „Hier wird großen Wert auf praktisches Arbeiten gelegt. Dadurch ist bei mir das Interesse für meinen Beruf geweckt worden."
  • „Ich bin gut auf die Aufnahme einer Ausbildung vorbereitet worden."
  • „Bei mit hat man in Sachen Berufsorientierung noch mal einen draufgelegt. Ich bin sogar zweimal die Woche in der Werkstatt."
  • „Man hat mir bei der Erstellung meiner Bewerbungsmappe und auch bei Problemen mit der Ausländerbehörde geholfen"
  • „Man hat mich an die Hand genommen und mir immer geholfen als. Frau xy (=> Ich sage nur Datenschutz.) ist fast wie eine Freundin für mich."
  • „Durch mein Praktikum habe ich eine Lehrstelle bei den Stadtwerken bekommen.“  
    (Normalerweise soll man ja keine Schleichwerbung machen, aber da es hier ja um unseren heutigen Gastgeber geht, darf ich - glaube ich - eine Ausnahme machen.)

Der ein oder andere von Ihnen wird jetzt denken: Das ist doch selbstverständlich! Genau das ist es aber nicht, wenn man die besondere Ausgangsposition des Franz-Jürgens Berufskollegs berücksichtigt. Gerade im berufs- und studienqualifizierenden Bereich ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sehr hoch. Verantwortlich hierfür ist ein pädagogischer Schwerpunkt der Schule: Die vier Seiteneinsteiger bzw. Flüchtlingsklassen. Bei den Schülerinnen und Schülern dieser Klassen handelt es sich um junge Menschen aus Kriegs- und Krisenländern, oft ohne Familie, die zum Teil zum ersten Mal in Deutschland beschult werden. Dass das eine große Herausforderung für alle Beteiligten ist, kann sich sicherlich jeder von Ihnen vorstellen. Und genau deshalb werden hier – so Direktor Uchtmann-Göttinger – auch die besten und engagiertesten Lehrer eingesetzt.

Der Beratungsbedarf ist bei diesen Schülerinnen und Schülern natürlich besonders groß. Denn wenn es Probleme gibt, dann nicht nur eins, sondern gleich mehrere davon auf einmal. Erforderlich ist deshalb eine ganz besondere Form der Beratung, Unterstützung und Förderung. Lehrer, Sozialarbeiter, aber auch die Mitarbeiter der Arbeitsagentur sind gleichermaßen gefordert. Nur so können immer wieder individuelle Lösungen gefunden werden. Von der Weiterqualifizierung bis hin zu einem Einstieg in eine Ausbildung.

Ganz besonders wichtig ist es auch, dass alle Komponenten dieses Beratungsprozesses Hand-in-Hand gehen. Gelingen kann das nur durch eine Zusammenarbeit der kurzen Wege und durch eine enge Vernetzung untereinander. Die Vermittlungserfolge und das Feedback der Schülerinnen und Schüler zeigen, dass genau das am Franz-Jürgens Berufskolleg ganz ausgezeichnet klappt. Plastisch hat das ein Elternvertreter formuliert: Die Schule hat meine beiden Jungs wieder auf die Schiene gesetzt.

Selbstverständlich werden in diesem Prozesse auch alle Register der Berufsorientierung gezogen:

  • Dazu gehören „Stärken und Schwächen Analysen“, um Potentiale und Interessen erkennen zu können.
  • Dazu gehören Rollenspiele als Vorbereitung und Training für eine Bewerbung, Beratungstage oder ein Azubi-Speeddating.
  • Und dazu gehören natürlich auch die gut organisierten und begleiteten Praktika, die jeder Schüler absolvieren muss.

Im Vorfeld des diesjährigen Audits habe ich mir öfters die Frage gestellt, ob eine gute Berufsorientierung auch einfach so spürbar ist? Nach dem Besuch des Franz-Jürgens Berufskollegs kann ich sagen: Ja, das ist sie!

Man spürt es im Gespräch mit den Schülern, die sich von ihren Lehrern wertgeschätzt fühlen. Die sich im Prozess der Berufsorientierung gut begleitet und betreut fühlen. Die sich bewusst sind, wie groß das persönliche Engagement ihrer Lehrer ist. Und das oft über die eigentliche Schulzeit hinaus. Kurz: Wenn ein Klima des Vertrauens fühlbar wird.

Man spürt es aber auch im Gespräch mit den Lehrern, die hoch motiviert und aufgeschlossen sind. Die große persönliche Einsatzbereitschaft zeigen. Wenn ein gutes Kommunikationsklima und ein Teamgedanke ebenso spürbar sind, wie eine Offenheit für Veränderungen und neue Wege.

All dass hat uns als Jury außerordentlich beeindruckt. Nach einer ausgesprochen kurzen Aussprache waren wir deshalb einstimmig der Meinung, dass es das Franz-Jürgens-BK verdient hat, als Siegelschule rezertifiziert zu werden. Zu diesem Erfolg unsere herzlichsten Glückwünsche.

Gehalten am 22. Januar 2014 von Dr. Christian Henke
Handwerkskammer Düsseldorf